Vollmond ist kein Tag. Er ist ein Augenblick — und für 2026 lässt er sich auf die Minute angeben. Dasselbe gilt für Neumond und die beiden Viertel. Dazwischen liegen vier Strecken von je knapp vier Tagen, und erst zusammen ergeben sie die acht Mondphasen.
Heute ist der 11. August 2026. Der Mond steht bei Neumond, zu 1 % beleuchtet. Der nächste Eckpunkt ist Neumond am 12. August, 19:36 Uhr.
Was eine Phase überhaupt ist
Der Mond leuchtet nicht selbst. Wir sehen den Teil seiner Kugel, den die Sonne trifft — und wie viel davon wir sehen, hängt allein davon ab, wie weit Mond und Sonne von der Erde aus auseinanderstehen. Dieser Winkel heißt Elongation.
Steht der Mond in derselben Richtung wie die Sonne, ist die Elongation null: Neumond, wir sehen die Nachtseite. Steht er ihr gegenüber, sind es 180 Grad: Vollmond, wir sehen die ganze Tagseite. Dazwischen wächst der Winkel gleichmäßig weiter, denn der Mond zieht seine Bahn ohne anzuhalten.
Daraus folgt der Satz, an dem sich die Geister scheiden: Vollmond ist ein Zeitpunkt, kein Zeitraum. Der Moment, in dem die Elongation genau 180 Grad beträgt, dauert keine Sekunde länger als jeder andere Moment. Dass er im Kalender einen ganzen Tag füllt, ist eine Setzung der Drucker, keine Eigenschaft des Himmels.
Vier der acht Phasen sind solche Augenblicke — bei 0, 90, 180 und 270 Grad. Die anderen vier sind die Strecken dazwischen, jede knapp vier Tage lang.
Die acht Stufen
Der Beleuchtungsgrad in dieser Tabelle ist keine Schätzung; er folgt direkt aus der Elongation.
| Phase | Elongation | Beleuchtet | Wann sie am Himmel steht |
|---|---|---|---|
| Neumond | 0° | 0 % | gar nicht — er steht mit der Sonne am Taghimmel |
| Zunehmende Sichel | 45° | 15 % | abends im Westen, kurz nach Sonnenuntergang |
| Erstes Viertel | 90° | 50 % | geht mittags auf, steht bei Sonnenuntergang hoch, geht um Mitternacht unter |
| Zunehmender Dreiviertelmond | 135° | 85 % | vom Nachmittag bis tief in die Nacht |
| Vollmond | 180° | 100 % | geht bei Sonnenuntergang auf, bei Sonnenaufgang unter — die ganze Nacht |
| Abnehmender Dreiviertelmond | 225° | 85 % | ab dem späten Abend bis in den Vormittag |
| Letztes Viertel | 270° | 50 % | geht um Mitternacht auf, steht bei Sonnenaufgang hoch |
| Abnehmende Sichel | 315° | 15 % | morgens im Osten, kurz vor Sonnenaufgang |
Zwei Dinge fallen dabei auf.
Das Erste und das Letzte Viertel heißen Viertel, sehen aber aus wie Hälften. Der Name meint nicht die sichtbare Fläche, sondern den zurückgelegten Weg: ein Viertel des Umlaufs. Was wir sehen, ist ein exakter Halbkreis.
Der Mond geht jeden Tag rund fünfzig Minuten später auf. Deshalb wandert er im Lauf eines Monats einmal durch den ganzen Tag. Wer ihn morgens beim Aufstehen im Westen stehen sieht, hat einen abnehmenden Mond vor sich — das ist ablesbar, ohne dass man dafür in einen Kalender schauen müsste.
Der Zyklus ist nicht jeden Monat gleich lang
Im Schulbuch steht 29,53 Tage. Das ist ein Mittelwert, und der Mond hält sich nicht daran.
Für 2026 durchgerechnet, von Neumond zu Neumond: Die kürzeste Lunation dauert 29,28 Tage, die längste 29,81. Das sind knapp dreizehn Stunden Unterschied zwischen dem schnellsten und dem langsamsten Monat des Jahres.
Der Grund liegt in der Bahn. Sie ist keine Kreisbahn, sondern eine Ellipse: In Erdnähe läuft der Mond schneller, in Erdferne langsamer. Je nachdem, wo im Zyklus dieser schnelle Abschnitt liegt, verkürzt oder verlängert er den Monat. 2026 sind die Lunationen um den Juni herum die kürzesten, die im Dezember die längsten.
Für die Praxis heißt das: Wer die Viertel überschlägt, indem er vom Neumond siebeneinhalb Tage weiterzählt, liegt regelmäßig ein paar Stunden daneben — und an Tagesgrenzen entscheidet das über den Kalendertag. Deshalb rechnen wir jeden Eckpunkt einzeln aus, statt einen Monat in vier gleiche Teile zu schneiden.
Was die Überlieferung an die acht Stufen hängt
Die alte Kalenderpraxis liest die zunehmende Hälfte als Aufnehmen und die abnehmende als Abgeben. Innerhalb dieser beiden Bögen bekommt jede Stufe ihren eigenen Charakter.
Neumond — der stille Punkt. Der Anfang, an dem nichts sichtbar ist und alles angelegt wird. Traditionell die Zeit für Vorsätze, für den ersten Schritt, für das, was noch niemand sehen soll. Auch die Zeit für einen Verzicht, der leichter fällt, solange nichts wächst.
Zunehmende Sichel — das erste Licht. Was am Neumond gefasst wurde, bekommt jetzt seine Richtung. Die Überlieferung setzt hier alles an, was Anlauf braucht: anfangen, üben, einen Rhythmus aufbauen.
Erstes Viertel — der Punkt, an dem es ernst wird. Halb hell, halb dunkel, und der Widerstand zeigt sich. Gilt als die Stufe der Entscheidung: dranbleiben oder lassen. Für den Körper die Zeit des Aufbauens — Kraft, Nährendes, Auffüllendes.
Zunehmender Dreiviertelmond — kurz vor der Fülle. Verfeinern, nachbessern, das Begonnene rund machen. Die Überlieferung warnt hier vor dem Überziehen: Es ist die Stufe, in der man zu viel des Guten tut.
Vollmond — die höchste Spannung. Alles wird deutlicher erlebt, das Schöne wie das Schwierige. Traditionell die Zeit für Feiern, für Ernte, für alles Sichtbare — und die Nacht, in der man am schlechtesten schläft. Was jetzt aufgesetzt wird, wirkt kräftig; was jetzt geschnitten wird, treibt kräftig nach.
Abnehmender Dreiviertelmond — der Wendepunkt nach innen. Die Zeit des Ordnens und des Auswertens: Was hat getragen, was nicht. Die erste Stufe, in der Loslassen leichter fällt als Anfangen.
Letztes Viertel — wieder halb hell, jetzt in die andere Richtung. Die Stufe des Abschließens und des Klärens. Alles Reinigende gehört hierher: entrümpeln, entschlacken, Peeling, Großputz, Rechnungen, offene Gespräche.
Abnehmende Sichel — das Altlicht, wie es in alten Kalendern heißt. Die letzten Tage vor dem Neumond gelten als die stillsten des Monats. Ruhen, aufhören, nichts Neues mehr beginnen. Was jetzt weggeht, kommt der Überlieferung nach nicht wieder.
Unser Regelwerk arbeitet in der Tagesauskunft mit den vier großen Abschnitten — neu, zunehmend, voll, abnehmend — und verbindet sie mit dem Sternbild, in dem der Mond gerade steht. Die feinere Achtelung ist die Lesart für den Blick auf den ganzen Monat: Sie sagt dir, an welcher Stelle des Bogens du stehst, nicht was du am Dienstag tun sollst.
Wie du die Phase am Himmel abliest
Ohne Kalender, in zwei Schritten.
Erstens die Richtung. Auf der Nordhalbkugel wächst der Mond von rechts. Ist die rechte Seite hell, nimmt er zu; ist die linke hell, nimmt er ab. Die Sichel öffnet sich dabei immer von der Sonne weg — die Hörner zeigen von ihr fort, egal wie hoch sie steht.
Für die Buchstaben-Eselsbrücke: Die abnehmende Sichel ist nach links gekrümmt wie der Bauch eines a — a wie abnehmend. Die zunehmende ist ihr Spiegelbild. Auf der Südhalbkugel steht alles seitenverkehrt, dort führt die Regel in die Irre.
Zweitens die Uhrzeit. Ein Mond am Abendhimmel im Westen ist zunehmend. Ein Mond am Morgenhimmel im Osten oder hoch im Süden ist abnehmend. Ein Mond, der bei Sonnenuntergang im Osten aufgeht, ist voll.
Am 11. August 2026 steht der Mond bei Neumond und ist zu 1 % beleuchtet — schau nach, ob es passt. Der Mondkalender zeigt dir dazu das Sternbild und den Übergang auf die Minute. Was sich aus beidem für einen einzelnen Tag ergibt, steht im Ratgeber: die besten Tage zum Haareschneiden, das Vollmond-Ritual und das Neumond-Ritual.
Und der zweite Rhythmus, der neben den Phasen läuft und in kaum einem Kalender steht, ist der auf- und absteigende Mond — er beschreibt die Höhe, nicht das Licht.
Häufige Fragen
Wie viele Mondphasen gibt es?
Acht: Neumond, zunehmende Sichel, erstes Viertel, zunehmender Dreiviertelmond, Vollmond, abnehmender Dreiviertelmond, letztes Viertel, abnehmende Sichel. Vier davon sind exakte Zeitpunkte, vier sind Strecken von je knapp vier Tagen.
Welche Mondphase ist heute?
Am 11. August 2026 steht der Mond bei Neumond, zu 1 % beleuchtet. Der nächste Eckpunkt ist Neumond am 12. August, 19:36 Uhr.
Wie lange dauert eine Mondphase?
Eine Achtel-Stufe rund 3,7 Tage. Der ganze Zyklus dauert im Mittel 29,53 Tage — 2026 schwankt er zwischen 29,28 und 29,81 Tagen, also um knapp dreizehn Stunden.
Warum heißt es Viertel, obwohl man einen Halbmond sieht?
Weil der Name den zurückgelegten Weg meint, nicht die sichtbare Fläche. Beim ersten Viertel hat der Mond ein Viertel seines Umlaufs hinter sich — und zeigt dabei genau die Hälfte seiner beleuchteten Seite.
Woran erkenne ich, ob der Mond zu- oder abnimmt?
Auf der Nordhalbkugel wächst er von rechts: rechte Seite hell heißt zunehmend, linke Seite hell heißt abnehmend. Zweite Probe über die Uhrzeit — abends im Westen ist zunehmend, morgens im Osten ist abnehmend.
Ist Vollmond ein ganzer Tag?
Nein, ein Augenblick: der Moment, in dem Sonne und Mond von der Erde aus genau 180 Grad auseinanderstehen. Der nächste ist am 28. August, 06:18 Uhr. Dass Kalender einen ganzen Tag markieren, ist eine Vereinfachung des Drucks.
Warum ist nicht jeder Mondmonat gleich lang?
Weil die Mondbahn eine Ellipse ist. In Erdnähe läuft der Mond schneller, in Erdferne langsamer — je nachdem, wo dieser schnelle Abschnitt im Zyklus liegt, fällt der Monat kürzer oder länger aus.