Jeden Monat gibt es einen Neumond und einen Vollmond, aber nur zwei- bis dreimal im Jahr eine Finsternis. Der Grund liegt in zwei unscheinbaren Punkten am Himmel: den Mondknoten. Nur wenn Sonne und Mond dort zusammentreffen, wirft einer den Schatten auf den anderen.
Heute ist der 23. Oktober 2026. Der nächste Knotendurchgang des Mondes: absteigender Knoten am 3. November. Die nächste Finsternis: Ringförmige Sonnenfinsternis am 6. Februar 2027.
Zwei Bahnen, leicht gegeneinander gekippt
Die Erde zieht in einer Ebene um die Sonne. Von uns aus gesehen ist das die Ekliptik, die Linie, auf der die Sonne im Lauf des Jahres durch die Sternbilder wandert. Die Mondbahn liegt nicht genau in dieser Ebene. Sie ist um gut fünf Grad gekippt, etwa zehn Monddurchmesser.
Zwei geneigte Ebenen schneiden sich in einer Linie. Wo der Mond diese Linie überquert, liegen die Mondknoten. Am aufsteigenden Knoten wechselt er von südlich nach nördlich der Ekliptik, am absteigenden zurück. Zwischen zwei Durchgängen durch denselben Knoten vergehen im Mittel 27,21 Tage, der drakonitische Monat. Der Name kommt vom Drachen, und der kommt aus der Überlieferung.
Drachenkopf und Drachenschwanz
In vielen alten Kulturen frisst ein Drache bei einer Finsternis die Sonne oder den Mond. Die europäische Astronomie des Mittelalters hat ihn in die Fachsprache übernommen: Der aufsteigende Knoten heißt Caput Draconis, Drachenkopf, der absteigende Cauda Draconis, Drachenschwanz. Die indische Astrologie kennt dieselben Punkte als Rahu und Ketu.
Warum es nicht jeden Monat eine Finsternis gibt
Bei Neumond steht der Mond in Richtung Sonne, bei Vollmond ihr gegenüber. Liegt er dabei ein paar Grad über oder unter der Ekliptik, zieht sein Schatten an der Erde vorbei, oder der Erdschatten verfehlt ihn. Nur wenn Neu- oder Vollmond nahe an einem Knoten liegen, stehen Sonne, Erde und Mond wirklich auf einer Linie.
Die Sonne kommt auf ihrem Jahresweg zweimal an der Knotenlinie vorbei, einmal am aufsteigenden, einmal am absteigenden Knoten. Um diese Termine öffnet sich jeweils ein Fenster von gut fünf Wochen, die Finsternis-Saison. Weil das Fenster länger ist als ein Mondmonat, fällt mindestens ein Neumond und mindestens ein Vollmond hinein. Jede Saison bringt deshalb mindestens zwei Finsternisse, eine an der Sonne und eine am Mond. Manchmal sind es drei.
2026 öffneten sich die Fenster im Februar und im August. Im Februar kamen eine ringförmige Sonnenfinsternis über der Antarktis und Anfang März eine totale Mondfinsternis über dem Pazifik. Im August folgten die totale Sonnenfinsternis über Spanien und Island am 12. und die partielle Mondfinsternis am 28., zu 96 Prozent bedeckt. 2027 liegen die Fenster schon etwas früher, im Februar und im Juli/August, und das zweite bringt drei Finsternisse: zwei schwache Halbschatten-Finsternisse des Mondes rahmen die totale Sonnenfinsternis am 2. August 2027 ein.
Die Knoten wandern rückwärts
Die Knotenlinie steht nicht still. Die Sonne zieht an der gekippten Mondbahn und dreht sie langsam, gegen die Laufrichtung des Mondes. Für eine volle Runde durch den Tierkreis braucht die Linie 18,6 Jahre.
Deshalb wandern auch die Finsternis-Saisons durchs Jahr, jedes Jahr um knapp drei Wochen nach vorn. Die Sonne erreicht denselben Knoten nicht nach 365 Tagen wieder, sondern schon nach gut 346. Wer die Finsterniskalender mehrerer Jahre nebeneinanderlegt, sieht die Fenster durch die Monate rutschen.
Gerade steht der aufsteigende Knoten im Sternbild Steinbock, dicht an der Grenze zum Wassermann. Der absteigende steht ihm gegenüber im Löwen. Im März 2028 rückt der aufsteigende Knoten weiter in den Schützen.
Der hohe und der flache Mond
Die Knoten erklären noch etwas anderes, das man ohne Kalender sehen kann: Wie hoch der Mond am Himmel steigt, wechselt im selben 18,6-Jahre-Takt.
Liegt der aufsteigende Knoten am Frühlingspunkt, addieren sich die gut fünf Grad Bahnneigung zur Schiefe der Erdachse. Dann erreicht der Mond eine Deklination von über 28 Grad, im Winter steht der Vollmond so hoch wie nie, im Sommer kriecht er knapp über den Horizont. Das war zuletzt 2024 und 2025 so, mit bis zu 28,7 Grad, und davor 2006. Neun Jahre später ziehen sich die Ausschläge auf gut 18,5 Grad zusammen, als Nächstes um 2034. 2026 sind es noch 28,4 Grad, die Spanne schrumpft Jahr für Jahr.
Diese Höhenwechsel im Kleinen, Monat für Monat, sind der aufsteigende und der absteigende Mond. Wie die beiden Rhythmen ineinandergreifen, erklärt der Artikel über den aufsteigenden und absteigenden Mond.
Die Knoten im Geburtsbild
Die Astrologie liest die Mondknoten als Achse eines Lebens. Der Drachenkopf gilt als Richtung, in die jemand wachsen will, der Drachenschwanz als das Mitgebrachte, das leicht fällt und deshalb festhalten kann. Weil die Knoten in 18,6 Jahren einmal herumlaufen, kehren sie mit gut 18, gut 37 und knapp 56 Jahren an ihren Geburtsort zurück. Die Mondknoten-Wiederkehr gilt als einer der deutlichsten Marker im Leben.
Wo die Knoten in deinem eigenen Geburtsbild stehen und wann sie wiederkehren, rechnet das Reading „Mein Mond“ aus deinem Geburtsdatum. Den Hintergrund zu allen Begriffen hier führt das Lexikon unter Mondknoten und Saros. Die Termine aller Finsternisse bis 2030 stehen unter den Himmelsereignissen, den laufenden Mond zeigt der Mondkalender.
Häufige Fragen
Was sind die Mondknoten?
Die beiden Punkte, an denen die Mondbahn die Ekliptik kreuzt. Am aufsteigenden Knoten wechselt der Mond nach Norden, am absteigenden nach Süden. Nur in ihrer Nähe sind Finsternisse möglich.
Warum gibt es nicht bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis?
Weil die Mondbahn um gut fünf Grad gegen die Erdbahn geneigt ist. Meist zieht der Vollmond über oder unter dem Erdschatten vorbei. Nur wenn er nahe an einem Knoten steht, trifft ihn der Schatten.
Wie oft gibt es Finsternisse?
Zweimal im Jahr öffnet sich eine Finsternis-Saison von gut fünf Wochen. In jeder gibt es mindestens eine Sonnen- und eine Mondfinsternis, manchmal drei Finsternisse. Im Jahr sind es also vier bis höchstens sieben.
Was sind Drachenkopf und Drachenschwanz?
Die alten Namen der beiden Mondknoten: Drachenkopf für den aufsteigenden, Drachenschwanz für den absteigenden. Sie stammen aus dem Bild vom Drachen, der bei einer Finsternis Sonne oder Mond verschlingt.
Wie lange brauchen die Mondknoten durch den Tierkreis?
18,6 Jahre, und zwar rückwärts, gegen die Laufrichtung von Sonne und Mond. Mit diesem Takt kehren auch die Mondknoten im Geburtsbild wieder, mit gut 18, gut 37 und knapp 56 Jahren.